RETROSPEKTIVE
DESIGN · INTERIOR · ARCHIV SEIT 1983
VOM EINZELNEN ENTWURF ZUM GANZHEITLICHEN DESIGN.
Möbel, Leuchten und Objekte aus den 1980er-Jahren markieren den Beginn einer eigenständigen, konstruktiv geprägten Formensprache. Aus experimentellen und bewusst unkonventionellen Entwürfen entwickelte sich über die Jahre ein zunehmend ganzheitlicher Ansatz für Raum, Licht, Material und Möblierung.
DIE 1980ER-JAHRE · EXPERIMENT UND EIGENSTÄNDIGKEIT
Die frühen Arbeiten tragen bereits eine klare Handschrift. Möbel, Leuchten und Objekte lösen sich bewusst von vertrauten Typologien und suchen nach neuen Verhältnissen von Konstruktion, Funktion und Form. Sichtbare Tragwerke, ungewöhnliche Proportionen und eine beinahe skulpturale Präsenz prägen eine Phase, in der Eigenständigkeit wichtiger ist als Anpassung an den Zeitgeist.
Die Entwürfe wirken heute wie ein frühes Labor für Themen, die später immer wiederkehren: Präzision, Materialbewusstsein und der Wunsch, Gestaltung nicht dekorativ, sondern strukturell zu denken.
DIE 1990ER-JAHRE · AUFBRUCH UND INSZENIERUNG
In den 1990er-Jahren weitet sich das Feld. Das einzelne Objekt bleibt wichtig, doch der Raum wird zunehmend zur Bühne. Gastronomie, Retail und Produktdesign beeinflussen sich gegenseitig; Farbe, Licht, Oberflächen und individuell entwickelte Möbel treten stärker in den Vordergrund.
Es ist eine expressivere Phase, geprägt von Inszenierung und Atmosphäre – und zugleich der Moment, in dem aus Einzelentwürfen zunehmend räumliche Systeme werden.
BOLERO · VOM EINZELNEN LOKAL ZUM GASTRONOMIEKONZEPT
Bolero markiert einen entscheidenden Schritt. Was als einzelnes Lokal beginnt, entwickelt sich zu einem wiedererkennbaren Gastronomiekonzept mit eigener visueller Sprache. Corporate Design, Raum, Signaletik, Möbel und Licht werden nicht additiv gedacht, sondern als zusammenhängendes System.
Die Stärke liegt gerade in der Variation: Jeder Standort reagiert auf seine Architektur und bleibt dennoch Teil einer gemeinsamen Identität. Für die Expansion von Gastro Consulting Hamburg wird Bolero damit zu einem prägenden gestalterischen Baustein.
MÖBEL, SPIEGEL UND TEPPICHE
Parallel zu den Gastronomieprojekten gewinnt das Produktdesign eine neue sinnliche Ebene. Klare Geometrien treffen auf kräftige Farben, ornamentale Motive und handwerklich veredelte Oberflächen. Blattgold, Kreidefassung und expressive Produkte wie Türklinken, Teppiche und Gläser erweitern das zuvor stärker konstruktiv geprägte Vokabular.
Die Objekte dieser Jahre suchen weniger nach formaler Strenge als nach Präsenz. Sie sind Möbel, aber zugleich Inszenierung – und zunehmend Teil einer umfassenderen Vorstellung von Atmosphäre.
FLORA NOVA · RETAIL UND INSZENIERUNG
Flora Nova im Hamburger Hanseviertel übersetzt diese Haltung Mitte der 1990er-Jahre in den Retail. Pflanzen, Objekte und individuell entworfene Präsentationsmöbel verschmelzen zu einer dichten, nahezu szenografischen Warenwelt.
Beleuchtete Vitrinen, maßgefertigte Tische und gezielte Lichtakzente geben dem floralen Sortiment einen architektonischen Rahmen. Der Verkaufsraum wird nicht bloß Träger der Ware, sondern Teil ihrer Erzählung.(Archivaufnahmen ca 1995)
DIE 1990ER-JAHRE · NEUE ORTE FÜR NACHTLEBEN UND STADTKULTUR
Mit Alsterpalais und Coffee & Co zeigt sich gegen Ende des Jahrzehnts die Spannweite der räumlichen Arbeit. Zwei Projekte, zwei völlig unterschiedliche Maßstäbe – vom monumentalen Nachtleben im historischen Bestand bis zum kompakten urbanen Coffee-Konzept.
Gemeinsam ist ihnen ein wachsendes Verständnis dafür, dass Atmosphäre nicht aus Dekoration entsteht, sondern aus Raumfolge, Licht, Möblierung und Nutzung.
Alsterpalais
Das Alsterpalais nutzt die besondere Architektur eines ehemaligen Krematoriums nicht als Kulisse, sondern als Ausgangspunkt. Der sakral anmutende Kuppelraum verlangt nach einer ebenso selbstbewussten Antwort: Die zentrale Bar wird zum räumlichen Fokus und übersetzt die Monumentalität des Bestands in eine zeitgenössische Gastronomiewelt.
Gerade der Kontrast macht den Reiz aus. Historische Architektur und urbanes Nachtleben begegnen sich nicht vorsichtig, sondern mit klarer Haltung.
COFFEE & CO
Coffee & Co verfolgt den entgegengesetzten Ansatz: kompakt, urban, funktional. Für das Foyer des UCI-Kinos in Hamburg-Wandsbek entsteht ein klar organisiertes Coffee-Shop-Konzept, das schnelle Gastronomie, Aufenthalt und visuelle Wiedererkennbarkeit miteinander verbindet.
Die markante horizontale Lichtstruktur fasst den offenen Raum zusammen und gibt ihm eine starke Identität. Rückblickend wirkt das Projekt fast vorausgreifend auf jene Concept-Café-Formate, die wenige Jahre später selbstverständlich werden sollten.
DIE 2000ER-JAHRE · RUHE, REDUKTION UND RÄUMLICHE REIFE
Mit den 2000er-Jahren verändert sich der Ton. Die formale Experimentierfreude der frühen Jahre tritt zurück, Proportion, Materialität und Licht übernehmen zunehmend die Führung. Die Räume wirken ruhiger, kontrollierter, architektonischer – ohne an Individualität zu verlieren.
Was zuvor über Geste und Kontrast formuliert wurde, entsteht nun stärker aus Balance, Präzision und dem bewussten Weglassen.
STUDIO HAFENCITY ·LICHT ALS RAUMGESTALTER
Das Studio in der HafenCity ist Arbeitsraum, Materialarchiv und Ort des Austauschs zugleich. Möbel, Leuchten, Muster und Entwürfe stehen nicht als Ausstellung für sich, sondern als Werkzeuge eines fortlaufenden Gestaltungsprozesses.
WOHNEN AUF ZEIT
Boarding-House-Wohnung
KONZERT- UND VERANSTALTUNGSSAAL · STIFTUNG FELDTMANN
Der Saal liegt in einem Gebäude von 1895, geprägt von viktorianisch-englischer Architektur. Seit den 1950er-Jahren wurde er von der Lola-Rogge-Tanzschule genutzt – eine Geschichte, die im neuen Entwurf bewusst lesbar bleibt.
Ein großformatiger Spiegel erinnert an die frühere Nutzung als Ballett- und Tanzsaal und wird zugleich zum raumerweiternden Element. Architektonische Lichtpilaster gliedern die langgestreckten Wände und verkürzen den Raum optisch, ohne ihm seine Großzügigkeit zu nehmen. Rekonstruierte Stuckprofile, integrierte Technik und eine zurückhaltende Möblierung führen den historischen Bestand präzise ins Heute.
Der Raum zeigt exemplarisch die ruhigere Haltung dieser Jahre: weniger Geste, mehr Proportion, Licht und sorgfältige Weiterentwicklung des Vorhandenen.
BIBLIOTHEK, ARCHIV UND ART-DÉCO-SAMMLUNG
Im Zentrum steht eine originale, gerundete Art-déco-Vitrine, deren Formensprache den Ausgangspunkt für die gesamte Präsentationsarchitektur bildet. Die seitlich ergänzten, maßgefertigten Einbauten greifen ihre Proportionen auf und erweitern sie zu einer zusammenhängenden Wandkomposition.
Ein neu entwickelter oberer Kranz mit feinen Stahldetails verbindet Bibliothek und Sammlung gestalterisch miteinander. So treffen historische Originale und zeitgenössische Ergänzungen nicht als Gegensatz aufeinander, sondern fügen sich zu einer gemeinsamen Sprache – präzise, elegant und mit bewusstem Respekt vor der Herkunft der Sammlung.
DIE 2010ER-JAHRE · ARCHITEKTUR, MÖBEL UND LICHT IM DIALOG
In den 2010er-Jahren gewinnt die Arbeit an Selbstverständlichkeit. Grundriss, Licht, Materialien, Einbauten und Möbel treten nicht mehr als einzelne Disziplinen auf, sondern als Teile einer gemeinsamen räumlichen Komposition. Dabei entsteht kein festgelegtes Stilvokabular: Jeder Bestand verlangt nach einer eigenen Antwort – mal transparent und offen, mal im Dialog mit historischer Substanz, mal bewusst zurückhaltend.
APARTMENT BELLEVUE · TRANSPARENZ UND KLARE RAUMFOLGEN
Schwarze Stahl-Glas-Elemente schneiden nicht in den Raum, sondern öffnen ihn. Sie schaffen lange Sichtachsen und lassen Bereiche ineinander übergehen, ohne ihre Eigenständigkeit aufzulösen.
Dunkles Holz, weißer Marmor und Bronze setzen warme Kontrapunkte. Die Wohnung lebt von diesem Wechselspiel zwischen Transparenz und Rückzug – offen, aber nie entgrenzt.
ALTBAUWOHNUNG WINTERHUDE · GESCHICHTE WEITERGEDACHT
Der lange Flur der Hamburger Gründerzeitwohnung wird zum eigentlichen Thema des Entwurfs. Spiegel, Wandleuchten und gegliederte Wandflächen verändern seine Tiefenwirkung, während Türbekrönungen und Kapitelle die vorhandenen Proportionen aufnehmen.
Auch Bibliothek und Bad arbeiten mit diesem Prinzip der Weiterführung statt Rekonstruktion. Klassische Profile treffen auf klare Möbelformen, historische Zementfliesen auf nahezu rahmenloses Glas.
Das Ergebnis wirkt weder nostalgisch noch demonstrativ modern. Die Geschichte bleibt spürbar, aber sie wird neu gelesen.
ARCHITEKTENHAUS BAD OLDESLOE · WENIGE EINGRIFFE, KLARE WIRKUNG
Hier zeigt sich, wie wenig es manchmal braucht. Dunkle Einbauten setzen räumliche Fixpunkte, Holzböden schaffen Kontinuität und Licht unterstützt die vorhandene Architektur, statt sie zu überformen.
Stauraum und Möbel erscheinen nicht als zusätzliche Ausstattung, sondern als selbstverständliche Teile des Hauses. Die Stärke liegt in der Disziplin.
CHAPEAU · RETAIL ALS BÜHNE
Beim Concept Store Chapeau bildet die Ware den Ausgangspunkt der Inszenierung. Dunkle Flächen nehmen sich zurück, Präsentationsmöbel in Messingoptik setzen präzise Akzente, Spiegel und Licht schaffen Tiefe.
Der Raum ordnet, ohne steril zu wirken. Aus der Verkaufsfläche wird eine Bühne, auf der Produkt und Marke gleichermaßen präsent bleiben.
DIE 2020ER-JAHRE · ERFAHRUNG, DIE WEITERDENKT
Vier Jahrzehnte Erfahrung führen hier nicht zu einem wiederholbaren Stil, sondern zu größerer Freiheit. Die jüngeren Projekte unterscheiden sich deutlich voneinander und folgen dennoch derselben Haltung: Klarheit im Raum, Sorgfalt im Detail und die Bereitschaft, für jede Aufgabe neu zu entscheiden.
Nicht die Handschrift steht im Vordergrund, sondern die Angemessenheit der Lösung.
MÜHLENKAMP · GROSSZÜGIGKEIT AUF KLEINEM RAUM
Knapp 90 Quadratmeter – und dennoch kein Gefühl von Enge. Der Schlüssel liegt in der räumlichen Organisation: Maßgefertigte Einbauten nutzen den Grundriss präzise, klare Blickachsen lassen die Wohnung größer erscheinen, als sie tatsächlich ist.
Material, Licht und Möblierung bleiben zurückhaltend und geben dem Interieur eine stille Dichte. Großzügigkeit wird hier nicht über Fläche erzeugt, sondern über Ordnung.
STADTHAUS L · DESIGN BIS INS DETAIL
Das Stadthaus steht exemplarisch für die zunehmende Verzahnung von Raum, Möbel und Licht – und markiert in der Retrospektive den Schritt zu einer vollständig durchgängigen Entwurfshaltung.
APARTMENT H, STRANDWEG · KONTRAST ALS ORDNUNGSPRINZIP
Das Apartment lebt von einer klaren Materialdramaturgie. Helle Flächen treffen auf dunkle Hölzer, schwarze Stahl-Glas-Elemente strukturieren die Raumfolgen, integriertes Licht akzentuiert Übergänge.
Die Kontraste erzeugen keine Härte, sondern Ordnung. Küche, Wohnen, Bad und Rückzugsbereiche bleiben individuell, gehören aber sichtbar derselben räumlichen Welt an.
KLASSIK NEU GELESEN
Für das Ober- und Dachgeschoss eines freistehenden Stadthauses nahe der Hamburger Alster wurde die klassische Architektur nicht historisierend fortgeschrieben, sondern in eine ruhigere, zeitgenössische Sprache übersetzt. Dunkle Hölzer, stark gezeichnete Natursteine, tiefblaue Wandflächen und satte Textilien schaffen eine Atmosphäre zwischen urbaner Eleganz und privatem Rückzug.
Besonders prägend ist das Zusammenspiel aus maßgefertigten Einbauten, integrierter Beleuchtung und bewusst gesetzten Einzelmöbeln. Im Schlafzimmer wird die Wand selbst zum Möbel: Naturstein, gepolsterte Flächen und Licht fügen sich zu einer architektonischen Komposition. Wohn- und Bibliotheksbereiche arbeiten dagegen stärker mit Farbe, Kunst und Tiefe – weniger repräsentativ als persönlich.
Das Projekt blieb im Entwurfsstadium. Gerade die Visualisierungen zeigen jedoch sehr unmittelbar, wie aus Bestand, Material und Licht eine eigenständige räumliche Erzählung entwickelt wurde.
MARIENTERRASSE
REVITALISIERUNG EINER STADTWOHNUNG
Der entscheidende Eingriff ist unspektakulär und zugleich fundamental: Eine Wand verschwindet. Küche und Wohnbereich öffnen sich zueinander, Licht reicht weiter in den Grundriss und neue Blickbeziehungen verändern die Wahrnehmung der gesamten Wohnung.
Badezimmer, Beleuchtung und Einbauten folgen derselben Logik. Statt einzelne Räume neu zu dekorieren, wird die Wohnung als zusammenhängendes räumliches Gefüge neu gelesen.
Planung & Raumkonzept
Axonometrie und Entwurfsvisualisierungen zeigen die räumliche Neuordnung und machen sichtbar, wie Wohnen, Schlafen und Arbeiten aufeinander abgestimmt sind.








































































































